Mittwoch, 10. Mai 2017

Helix

 
 
Autor: Marc Elsberg
Verlag: blanvalet
Seiten: 648
Das Buch ist aus mehreren Perspektiven geschrieben, die sich abwechseln.

1. Der Außenminister der USA stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Bei der Obduktion findet man auf seinem Herzen ein Zeichen, vermutlich von Bakterien verursacht.
Jessica bekommt die Leitung des Teams, das dies aufklären soll.

2. In Afrika wachsen plötzlich Maispflanzen, denen die Dürre nichts ausmacht. Aber nur in einem bestimmten Quadratkilometer. Die Pflanzen daneben sehen so schwach aus, wie eh und je. Auch in Indien und Brasilien werden Nutzpflanzen und -tiere entdeckt, die es so nicht geben dürfte. Ein internationaler Chemiekonzern versucht heraus zu finden, was dahinter steckt.

3. Greg und Helen wünschen sich ein Kind, was auf natürlichem Weg leider nicht klappt. Kurz vor der künstlichen Befruchtung erzählt ihnen der Arzt von einem geheimen Projekt, in dem durch Behandlung der Eizellen hochbegabte Kinder hervor kommen. Und wer will seinem Kind nicht das Beste mit auf dem Weg geben?

Genau so ein Kind verschwindet einen Tag nach dem Tod des Außenministers spurlos.

Jessica findet mit ihrem Team Dinge heraus, die man nie für möglich gehalten hätte. Doch das ist alles erst der Anfang. Während die Ereignisse sich überschlagen, werden auch Greg und Helen mit in den Strudel hinein gezogen.

Was für ein exzellenter Biotechnologie-Thriller! Ich bin immer noch geflasht!
Wie man es von Elsberg gewohnt ist, schreibt er wissenschaftlich nahe an der Realität. Das kann bedrückend sein, aber auf jeden Fall regt es zum Nachdenken an. Er erklärt Zusammenhänge, gerade auch in der Modifizierung (=Genmanipulation) der Pflanzen. Natürlich sind es die wirtschaftlichen Interessen der nördlichen Länder und der Großkonzerne und nicht die Interessen der Bauern in Afrika, warum dort wie gepflanzt wird.

"Biotechnologie war längst zu einer zentralen Technologie des jungen Jahrtausends geworden. Und während sich, vor allem in Europa, die Menschen in der öffentlichen Diskussion über genetisch veränderte Nahrungsmittel erregten, ließen sie längst Wäsche an ihre Haut, die durch Enzyme aus genetisch veränderten Organismen im Waschmittel schon bei vierzig Grad Wassertemeperatur statt bei sechzig oder neunzig Grad sauber wurden, oder rieben sich in dieselbe Haut Kosmetika, deren Wirkstoffe teilweise von genetisch manipulierten Organismen produziert wurden, ganz zu schweigen von Medikamenten, die sie schluckten und spritzten und die ohne die kleinen Helferlein kaum produziert werden konnten."

An dem Zitat merkt man schon, dass man sich bei dem Buch etwas mehr konzentrieren muss, als bei seinen beiden anderen. (Oder liegt es nur daran, dass ich mit dem Thema nicht so firm bin?). Kann gut sein, dass es dem ein oder anderem zu technisch/wissenschaftlich ist.
Ich liebe diese Mischung und fand das Buch großartig und viel besser, als seine anderen beiden (und die haben mir auch sehr gut gefallen).

Viel Raum nimmt natürlich auch die Genmanipulation von menschlichen Zellen ein.
Wie würdest Du entscheiden, wenn Du die Möglichkeit hättest, Deinem Kind mehr Intelligenz, Ausdauer, Empathie mitgeben zu können? Würdest Du Erbkrankheiten elliminieren lassen? Vorallem auch mit dem Wissen, andere "modifizieren" ihre Kinder und Deine haben nur die Chance mitzuhalten, wenn Du es ebenfalls tust.

" "Unsere Natur hat sich laufend genetisch verändert. Warum haben manche Menschen blaue Augen? Wegen einer kleinen Mutation irgendwo im Schwarzmeergebirge vor sechs- bis neuntausend Jahren. Warum vertragen Nordeuropäer Kuhmilch besser als Südeuropäer? Genetische Veränderung. Zwei von vielen Beispielen."
"Aber das waren natürliche Veränderungen!"
"Und was ist daran besser als an gezielten?"
"Etwa, dass sie über Generationen hinweg verliefen und Zeit zur Anpassung gaben."
"Der Neandertaler starb trotzdem aus. Was war besser daran, dass es über Jahrtausende hinweg geschah statt innerhalb weniger Generationen?"
[...]
"Du schüttest das Kind mit dem Bade aus. Natürlich wirft diese Entwicklung Fragen auf. Wie schon bei grüner, roter und weißer Genetik in Medizin, Landwirtschaft und Industrie. Gegen die hast du auch nichts."
"Viele Menschen schon."
XY [Name weggelassen] lachte so laut, dass sich die Soldaten besorgt nach ihnen umsahen. "Die dir egal sind! Sonst wäre Gentechnik in den USA nicht so weit verbreitet. Also komm mir nicht mit den Argumenten der Gegner! Folgen der Gentechnick für Armutsgeplagte und Benachteiligte weltweit waren dir scheißegal, solange du und deinesgleichen damit viel Geld verdienen konnten. Doch jetzt plötzlich ist deine Vorrangstellung als reiche weiße Frau der westlichen Welt, also als Mitglied der priviligiertesten Prozente der Menschheit -wenn man von reichen, weißen Männern absieht-, in Gefahr! Ja, wer hätte gedacht, dass du je in diese Situation kommen würdest?""

Normal lese ich nicht gerne Bücher mit verschiedenen Perspektiven. Da ist es bei dem einen gerade so spannend, dann wechselt es zu dem anderen. Hier hat es mich kein bisschen gestört. Die Kapitel waren am Anfang nie so lang und die Spannung ist eh so hoch, dass man gar nicht so schnell umblättern kann, wie man liest. ;)


Was noch besonders war: Das ich streckenweiße doch ziemlich mit dem Antagonisten sympathisiert habe, was mich in die schwierige Überlegung brachte, wie das Buch wohl ausgehen sollte. Zum Glück musste ich das nicht entscheiden. Aber ich kann dazu durchaus sagen: Das Ende hat mir sehr gefallen.
Ebenfalls interessant, dass der Präsident der USA in dem Buch eine Frau ist. Elsberg hat wohl auch gehofft, dass es -nicht- Trump wird.
Ganz nebenbei wird in dem Roman deutlich, was flächendeckende Überwachung heißt. Unheimlich, kann ich nur sagen.

Das Buch bekommt von mir ganz klar 5 ♥ und ein Krönchen dazu. Außerdem rutscht es auf die Liste der möglichen Top-Drei des Jahres.

Ein herzliches Dankeschön an blanvalet für das Reziexemplar!

Kommentare:

  1. Hey,

    Mir hat das Buch auch gut gefallen. Ich hatte nur ein klein bisschen was auszusetzen. Sehr gut hat mir auch die Aktualität des Themas gefallen. Wenn man etwas davon gegoogelt hat, hat man auch sehr aktuelle News gefunden. Ich muss sagen, dass das auch eine chte Stärke des Autors ist. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was er als nächstes aus dem Hut zaubert.

    LG, Moni

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    1. Hallo Moni,

      da werd ich bald mal schauen, was Deine Kritikpunkte waren. :)
      Ja, ich finde das auch großartig von Elsberg und freue mich schon auf sein nächstes Buch. Hast Du seine anderen beiden auch gelesen?

      Liebe Grüße
      Lilly

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  2. Huhu Lilly,
    also allein dein Kommentar, dass du mit dem Antagonisten sympathisiert hast, zeigt, dass der Autor scheinbar ein großes Talent hat. Das macht m.E. einen guten Gegenpart aus: Dass man einerseits verstehen kann, warum er so handelt und andererseits hinterfragt, ob das, was er tut denn moralisch vertretbar ist.

    Auch scheint der Text stark zum Nachdenken anzuregen. Ich zitiere dich: Würdest Du Erbkrankheiten elliminieren lassen? Vorallem auch mit dem Wissen, andere "modifizieren" ihre Kinder und Deine haben nur die Chance mitzuhalten, wenn Du es ebenfalls tust.
    Das ist eine sehr gute Frage! Gerade in der heutigen Zeit wird so viel Leistung von den Kindern verlangt. Leistung, die den Eltern bestimmt in vielen Fällen Sorge bereitet. Denn hat man das Geld für gute Nachhilfe? Wird das Kind es selbst schaffen? Kann man die Unterstützung bieten?

    Da ist so eine Genveränderung ja ein leichtes Mittel, um ein Problem schon mal auszumerzen ...
    Schrecklich!

    Deine Rezension spiegelt perfekt wieder, was an dem Buch gut ist. Eine klasse Empfehlung!

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,

      *lach* Antagonisten, genau! Mir ist später gekommen, dass das so wie ich es schrieb doch nicht stimmt. :D
      Ich fand es auch großartig, dass ich mich mit ihm identifizieren konnte!

      Stimmt, Geld für Nachhilfe. Den Punkt habe ich noch gar nicht beachtet.

      Herzlichen Dank, liebe Tanja,
      Lilly

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  3. Danke für die Vorstllung! Ich hatte das Buch noch gar nicht auf dem Schirm, schreibe es mir aber direkt auf... :)

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    1. Liebe Lena,

      vielen Dank für Deinen Kommi!
      Freut mich, dass ich Dich neugierig machen konnte.
      Liebste Grüße
      Lilly

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Ich freue mich total, wenn Ihr mir ein Kommi da lasst und mir sagt, was Ihr über den Beitrag denkt. ♥ Ich antworte entweder hier oder bei Euch.
Liebste Grüße
Lilly