Sonntag, 20. August 2017

Rezension: Die Wand


Autorin: Marlene Haushofer
Verlag: List Taschenbuch
Seiten: 288

Inhalt: 

Eine namenlose Frau fährt mit ihrer Cousine und dessen Mann für ein paar Tage auf eine Jagdhütte. Die Cousine und der Mann gehen am Abend noch ins Dorf und kommen nicht wieder zurück. 
Am nächsten Morgen will die Frau ins Dorf gehen, um nachzuschauen ob etwas passiert ist und stößt dabei auf eine unsichtbare Mauer. Dahinter scheint jedes Leben tot zu sein.
Sie wartet auf Hilfe, doch als keine kommt, versucht sie sich das Leben in der Abgeschiedenheit und mit nur einfachen Mitteln mit ihren Tieren einzurichten. Mit dem Jagdhund Luchs, einer Katze und einer Kuh. 

"Im Bett fröstelnd, überlegte ich, was zu tun wäre. Ich konnte mich umbringen oder versuchen, mich unter der Wand durchzugaben, was wahrscheinlich nur eine mühevollere Art des Selbstmords gewesen wäre. Und natürlich konnte ich hier bleiben und versuchen, am Leben zu bleiben. 
Um ernstliche an Selbstmord zu denken, war ich nicht mehr jung genug. Hauptsächlich hielt mich auch der Gedanke an Luchs und Bella davon ab und außerdem eine gewisse Neugierde. Die Wand war ein Rätsel, und ich hätte es nie fertiggebracht, mich angesichts eines ungelösten Rätsels davonzumachen."

All das, was sie bisher in der Welt gelernt hat, taugt nichts mehr. Sie muss nun lernen, gegen ihren Willen Tiere zu schießen, Heu für die Kuh zu mähen und Brennholz zu spalten. Sie muss sich für den Winter vorbereiten. Dabei kommt sie immer wieder an ihre körperlichen Grenzen und muss manches Mal auch darüber hinaus gehen. Den die Kuh will gemolken, die Tiere gefüttert, das Heu eingeholt werden.
Sie muss auch lernen, mit sich alleine, ihren Gedanken und Ängsten zu recht zu kommen. Luchs ist ihr dabei eine große Hilfe. Er spürt ihre Stimmungen sofort und ein um das andere Mal hält er sie an, aus dem Bett zu kommen und mit ihm in den Wald zu gehen. 

Die Frau schreibt die Geschichte rückblickend auf die letzten zwei Jahre auf. Dabei wechselt sie manchmal zur Gegenwart, was für den Leser die Zukunft ist.

Meine Meinung: 

Was für ein wunderbares Buch! Es hat mich sehr berührt! 
Ich habe das Buch lange vor mir hergeschoben. Hatte Sorge, dass es mir zu langweilig oder gar zu depressiv werden würde. Doch beides war nicht der Fall. 
Marlene Haushofer hat mich mit ihrer einfachen Sprache in einer Intensität erreicht, wie es nur wenige Bücher zu tun vermögen. 

Es passiert gar nicht viel in dem Buch, aber emotional weit mehr, als in mancher Abenteuergeschichte. Auch wenn ich das Buch manchmal 2 Tage zur Seite legte, sah ich die Bilder der Jagdhütte nur zu deutlich vor mir. 

Die Stimmung im Buch ist natürlich bedrückend, aber ich selbst fand sie nie erdrückend. 
Die Beschreibung der Tiere ist so herzlich, so dass Luchs für mich zum liebsten Tier-Nebendarsteller wurde.

Das Buch kann man auf vielerlei Arten interpretieren. Nicht nur auf die Wand, sondern auch auf Wichtigkeiten in einem Leben. Auf das Leben überhaupt. 
Aber ich will gar nicht die verschiedenen Interpretationen aufzählen. Denn das kostbare an diesem Buch war für mich auch, die stille Zwiesprache mit sich selbst, inspiriert von dem Psychogramm dieses Buches. 

Für mich steht es zur Zeit auf Top 2 meiner Jahresliste. 

5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥  und ein  Stern zur besonderen Auszeichnung.

Kommentare:

  1. Hi Lilly!

    Freut mich sehr, dass dich das Buch und die Handlung so mitnehmen konnten! Für mich war das Buch leider nicht wirklich was, ich konnte mich da überhaupt gar nicht reinfinden. Aber zum Glück gibts ja immer wieder unterschiedliche Meinungen ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      ja, ich habe es im Büchertreff schon gelesen.
      Aber ich denke auch, es gibt so viele Bücher, da hat man jede Menge Auswahl "seines" zu finden. Und manchmal muss auch einfach die Zeit und die Stimmung passen.
      Ich habe auch Bücher, die andere großartig finden und ich nur mit einer hochgezogegen Augenbraue guck. ;)

      Herzliche Grüße
      Lilly

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  2. Liebe Lilly,

    das hört sich nun wirklich besonders an. Wenn ich mir vorstelle, mir würde eine unsichtbare Wand den Weg versperren, was würde ich wohl tun? Es ist bestimmt schön zu lesen gewesen, wie sich die Lebensweise der Figur verändert und entwickelt. Vermutlich wertschätzt sie ihr Leben von da an viel viel mehr.

    Liebste Grüße

    Nisnis

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    1. Liebe Nisnis,

      ja, ich dachte erstmal, warum sie nicht mit dem Gewehr auf die Wand geschossen hat. Das hätte ich jedenfalls getan.
      Das Buch ist ja auch verfilmt worden und ich hatte mir den Trailer angeschaut. Da fährt sie mit dem Auto an die Wand. Aber das fand ich dann irgendwie doof. Aber vielleicht lag es auch einfach daran, dass der Weg und alles in meinen Gedanken ganz anders ausah.
      Ich bin eh kein Freund von Bücherverfilmungen.
      Und ich bin generell keine Freundin von Filmen. *lach*
      Daher... ;)

      Liebste Grüße
      Lilly

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  3. Hallo Lilly

    Die Wand ist ein besonderes Buch. Die Autorin litt an Depressionen. Ich denke, das kam mit dieser Wand zum Ausdruck. Wenn man Depressionen hat, hat man ja oft keinen Zugang zu seiner Umwelt. So wurde es mir mal von einer Betroffenen erzählt. Man merkt es ja selber, wenn man mal durch bestimmte Ereignisse in ein tiefes Loch fällt. Genug davon. Das Buch ist Hammer. Ich habe es vor vielen Jahren gelesen. Ich muss mir unbedingt noch den Film ansehen.

    Liebe Grüße,
    Gisela

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    1. Hallo Gisela,

      also davon, dass sie depressiv war, habe ich jetzt noch nichts gehört. Habe auch egrade nochmal gegooglet, bei wiki und auf ihrer Homepage. Woher hast Du die Inforamtion?

      Das man es so interpretieren kann, da stimme ich mit Dir überein. Wobei es da sehr verschieden Ansätze gibt. Auch den feministischen, der mir besser geällt, als ein krankhafter Ansatz.

      Ja, das Buch ist wirklich der genial! Ich möchte gerne weitere Bücher von ihr lesen.

      Liebe Grüße
      Lilly

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  4. Hey Lilly!

    Ich kann deine Rezension voll und ganz nachvollziehen, mir ging es genauso!
    Am Anfang hatte ich auch die Befürchtung, dass es mir nicht gefällt, aber dann hat es mich echt mitgenommen und am ende sehr nachdenklich zurück gelassen.
    Es freut mich, dass es dir auch so ging!

    LG
    Tilly

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    1. Hallo Tilly,

      ja, irgendwie ein ganz besonders Buch!
      Ich finde es auch schön, dass es Dir ähnlich erging.

      Liebe Grüße
      Lilly

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Ich freue mich total, wenn Ihr mir ein Kommi da lasst und mir sagt, was Ihr über den Beitrag denkt. ♥ Ich antworte entweder hier oder bei Euch.
Liebste Grüße
Lilly